Genehmigt: Industriewein im Fertigfondue

Swissness: 58 Ausnahmen bewilligt

Am 1. Januar 2017 tritt das Swissness-Gesetz in Kraft. Es verlangt, dass Lebensmittel nur noch dann mit dem Schweizer Kreuz Werbung machen dürfen, wenn 80 Prozent der verwendeten Rohstoffe aus der Schweiz kommen. Das gilt jedoch nicht für alle Rohstoffe.

Gemäss dem Swissness-Gesetz gelten Ausnahmen für Rohstoffe, die es in der Schweiz nicht oder nicht in genügender Menge gibt, beispielsweise Kokosnüsse und Wassermelonen. Ausnahmen gelten zudem für Rohstoffe, die temporär nicht verfügbar oder für bestimmte Verwendungszwecke nicht verfügbar sind.   42 Ausnahmen temporär   Solche Rohstoffe werden bei der Berechnung der Mindestanteile nicht mitgezählt. Vorläufig gilt das für insgesamt 58 Rohstoffe, wie das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) am Montag mitteilte. 42 Ausnahmen betreffen temporär nicht verfügbare Rohstoffe und 16 solche, die für bestimmte Verwendungszwecke in der Schweiz nicht verfügbar sind.

Hier finden Sie die Liste der Ausnahmen: Swissness-Ausnahmen.

Bewilligt hat das WBF zum Beispiel Ausnahmen für Eipulver, Gelatine, Kartoffelstärke, Himbeerpüree, Laktose, Käsepulver und Industriewein in Fertigfondue. Diese gelten als temporär nicht verfügbar. Honig zur industriellen Verarbeitung in Lebensmitteln, Molkenprotein für fermentierte Proteindrinks und Weichweizen mit hohem Proteingehalt für Tiefkühlbackwaren gehören zur Kategorie «für bestimmte Verwendungszwecke nicht verfügbar».

Kein Hersteller

Gemäss Patick Aebi, dem Leiter Fachbereich Qualitäts- und Absatzförderung beim WBF, handelt es sich beim bewilligten Käsepulver um eine ganz spezielle Sorte, von der nur eine Kleinstmenge benötigt wird. Für Gelatine und Eipulver wiederum gibt es keinen Hersteller in der Schweiz.

Für die Herstellung von Industrieweinen und Früchtepürees fehlt alleine schon je die ausreichende Menge. Schweizer Himbeeren werden für den Frischmarkt produziert, nicht für Fruchtpürees. Weiter gibt es Rohstoffe für Speziallebensmittel wie hypoallergene Babynahrung: Deren Herstellung ist zum Teil patentgeschützt oder muss hohen Anforderungen an die Qualität genügen, wie Aeby sagte.   Von den insgesamt 81 eingereichten Begehren für Ausnahmen wurden gemäss WBF 71 gutgeheissen. Alle Ausnahmen sind zeitlich befristet und werden periodisch überprüft. Beurteilt wurden die Gesuche von einer Gruppe aus Vertretern der Lebensmittelindustrie, der Landwirtschaft und der Konsumentenorganisationen.

Thomy-Mayo verliert das Schweizer Kreuz

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé muss bei 80 Produkten ohne Schweizer Kreuz auskommen. Betroffen sind die Marken Thomy, Leisi und Frisco. Dass etwa bei der Marke Thomy die Swissness-Auflagen nicht eingehalten werden können, liegt an der Rohstoffbeschaffung. Nestlé verwendet für die Produkte laut eigenen Angaben Eier aus Freilandhaltung. Die benötigte Menge von 34 Millionen Eiern pro Jahr könne durch die Schweiz allein nicht abgedeckt werden.

Nestlé ist nicht das einzige Unternehmen, das bei seinen Produkten ohne das Schweizer Kreuz auskommen muss. Kambly-Chef Hans-Martin Wahlen sprach im Frühling von nicht realisierbaren Vorgaben, weshalb er bei gewissen Erzeugnissen gegen seine Überzeugung auf das Symbol werde verzichten müssen.

Der Nahrungsmittelkonzern Unilever wiederum hat bereits angekündigt, dass er das Schweizer Kreuz auf einigen Knorr-Produkten streichen wird. Auch der Getränkehersteller Rivella liess bereits verlauten: «Wir werden das Schweizer Kreuz auf den Etiketten unserer Michel-Fruchtsäfte zurückstufen müssen.»

Quelle: MitaKurier 6-2016