Die VSG/ASDB Branchentagung 2019 im Zeichen der Mobilität

Am 16.01.2019 fand wieder die VSG/ASDB-Branchentagung in Bern statt

Die Getränkebranche habe ein gutes Jahr hinter sich, sagte Zentralpräsident Alois Gmür, an der diesjährigen VSG/ASDB Branchentagung im Hotel Bellevue Palace in Bern vom 16. Januar. So stieg 2018 etwa der Verkauf der Erfrischungsgetränke um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Auch der Bierkonsum wuchs um 1,8 Prozent, wie Gmür, Mitinhaber der Brauerei Rosengarten AG in Einsiedeln, erläuterte. Ein Verkaufsrückgang resultierte hingegen beim einheimischen Mineralwasser.

«Zu trinken trotz Stau?», lautete das Thema der diesjährigen Branchentagung. Bis Ende 2017 ist die Zahl der Staustunden auf Schweizer Autobahnen auf 27’000 gestiegen. Das sind rund dreimal mehr als noch im Jahr 2000. Die verstopften Strassen belasten die Volkswirtschaft mit knapp 2 Milliarden Franken. Das Gewerbe leidet nicht nur unter dem stockenden Verkehr auf den Autobahnen. Auch in den Städten stauen sich die Fahrzeuge. Wegen Einbahnstrassen müssen Umwege gefahren werden. Und ein Tür-zu-Tür-Service wird durch Halteverbote oder fehlende Parkplätze erschwert. Das mache auch den Getränkelieferanten das Leben schwer, stellt Gmür fest.

Wie kann man dem Verkehrsproblem Herr werden? In seinem Referat hielt ASTRA-Direktor Jürg Röthlisberger fest: «Auf der Strasse haben wir die Verlässlichkeit der Verbindung eingebüsst. Das ist tragisch.» Es dürfe nicht sein, dass man nicht wisse, ob man für die Strecke Zürich Bern eineinhalb oder drei Stunden einkalkulieren müsse. «Wir wollen ihnen die Verlässlichkeit wiedergeben», sagte Röthlisberger. Der Bund wird bis 2030 15 Milliarden Franken in den Unterhalt und die Erweiterung der Nationalstrassen investieren. Aufgrund des Bevölkerungswachstums wird auch der Verkehr zunehmen. Für Röthlisberger ist klar: Ohne eine punktuelle Ergänzung des Nationalstrassennetzes können die Engpässe nicht behoben werden. Daneben hat der Bund bereits andere Massnahmen ergriffen wie zum Beispiel eine Temporeduktion auf 80 km/h bei hohem Verkehrsaufkommen. Dies und andere Massnahmen zu einer besseren Verkehrssteuerung würden zu einem flüssigeren Verkehr beitragen, sagte Röthlisberger mit Verweis auf Studien.

Nationalrätin Aline Trede (Grüne, Bern) hält mehr Beton für das falsche Mittel. Ein Kapazitätsausbau ziehe nur noch mehr Verkehr an. Sie gab zu bedenken, dass im Durchschnitt nur 1,1 Personen in einem Auto sitzen und die meisten Autofahrten weniger lang als 5 Kilometer sind. «Braucht es wirklich so viel Blech, um so wenige Personen zu befördern?», fragte sie in ihrem Referat rhetorisch. Sie plädierte für ein besseres Verkehrsmanagement und möchte vor allem den Freizeitverkehr eindämmen, der einen grossen Anteil am Verkehrsaufkommen ausmacht. „Wir brauchen keine maximale, sondern eine optimierte Mobilität“, sagte sie. Für die Sorgen des Gewerbes zeigte Trede Verständnis: «Wir dürfen für die Lieferanten nicht die Städte verriegeln.»

Dino De Cia, Leiter der Niederlassung Zürich von der Elektro-Material AG, erklärte, seine Firma ermuntere die Kunden, effizienter zu bestellen, sodass man die Zahl der Auslieferungen senken und die Logistik verbessern könne. Täglich bearbeitet die Elektro-Material AG 10’800 Aufträge. Sie beliefert in der Schweiz 21’000 Kunden.

An der anschliessenden Podiumsdiskussion sagte De Cia, seine Firma habe ein Budget für Parkbussen. Es sei den Angestellten schlicht und einfach nicht immer möglich, innert nützlicher Frist einen regulären Parkplatz zu finden. Sich darüber aufzuregen, bringe nichts, sagte De Cia. Er plädierte für Gelassenheit, auch im Umgang mit Staus. Jürg Röthlisberger wies derweil darauf hin, dass viele Städte den Verkehr möglichst aus den Zentren verbannen möchten. Er gab aber zu bedenken, dass die Voraussetzungen dafür nicht immer optimal seien. In Luzern etwa habe es viele Parkhäuser in der Innenstadt, was den Verkehr unweigerlich dorthin lenke.

Ein mögliches Mittel zur Verkehrssteuerung ist Mobility Pricing. Mit diesem Instrument verlangt man zum Beispiel für bestimmte Streckenabschnitte eine Maut. Denkbar wäre auch, eine Abgabe bei der Stadteinfahrt zu erheben und sie nach Zeitpunkt zu differenzieren. Das Ziel lautet, eine verursachergerechte Kostenverteilung zu erreichen und die Verkehrsspitzen zu brechen. Nichts anfangen mit Mobility Pricing kann De Cia. Nationalrätin Trede hingegen steht diesem Instrument positiver gegenüber. Der Bund hat die Kantone eingeladen, an einem Pilotprojekt mitzumachen. Gemeldet hat sich jedoch nur der Kanton Zug.

Kari Kälin