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VSG/ASDB Branchentagung in Bern

Die VSG/ASDB-Branchentagung fand am Mittwoch, 18. Januar 2017, im Hotel Bellevue Palace in Bern statt und widmete sich dem topaktuellen Thema "Onlinehandel und Digitalisierung – Was bedeutet das für die Getränkebranche?"

Onlinehandel und Digitalisierung – Was bedeutet das für den Getränkehandel?

Am 18. Januar traf sich die Getränkebranche in Bern zum alljährlichen Stelldichein. Rund 120 Personen folgten der Einladung, ein neuer Teilnehmerrekord, den VSG/ASDB Zentralpräsident Nationalrat Alois Gmür auf das hochaktuelle Thema zurückführte. Die Digitalisierung, so Gmür, sei in aller Munde, nur wüssten die wenigsten genau, was sie damit anfangen sollten. Damit die Getränkebranche nicht zu spät komme, habe man für diesen Tag Referenten eingeladen, die Erfahrung mit der Digitalisierung hätten.

Dominik Feusi, Leiter Bundeshausredaktion der Basler Zeitung, führte in das Thema ein. Digitalisierung bedeutet für ihn, dass die Schnittstelle zum Kunden an Wichtigkeit gewinnt. Und auch wenn Digitalisierung vor dem eigentlichen Produkt der Branche, dem Bier, dem Fruchtsaft oder dem Wein noch Halt macht: alles andere kann digitalisiert werden. Jede Flasche und jeder Harass kann mit dem Internet verbunden werden. Die Branche muss sich dieser Herausforderung stellen, wenn sie nicht wie andere Branchen, beispielsweise die Medien, den Zug verpassen will.

Digitale Dinosaurier

Sven Ruoss, Business Developer bei Ringier und Dozent an der Hochschule für Wirtschaft (HWZ) in Zürich hat Unternehmen befragt, wie sie auf die Digitalisierung vorbereitet sind. Mehr als die Hälfte der Firmen in der Schweiz bezeichnete er (noch) als „Digitale Dinosaurier“. Digitalisierung hat ganze Branchen total verändert und wird auch vor dem Getränkehandel nicht Halt machen. Immer mehr Leute kaufen über das Internet ein. Die Hälfte der Unternehmen gab an, dass die Digitalisierung im 2017 erfolgskritisch sein werde. Viele Unternehmen sind sich also bewusst, dass sie etwas tun müssen, aber es scheitert, gemäss Ruoss‘ Befragung an ganz konkreten Hürden: an Einschränkungen bei der Informatik, an fehlenden finanziellen Mitteln oder mangelndem Know-how. Für Ruoss ist klar, dass die Unternehmen von der Chefetage bis zu tiefen Hierarchiestufen überlegen müssen, wie sie sich an die Digitalisierung anpassen können. Es brauche sowohl den Chef, der in diese Richtung wolle, als auch die oft mit der digitalisierten Welt vertrauten Jungen, die wüssten, wo man ansetzen könne.

Nachhaltigkeit ist gefragt

Sabine Brenner vom Bundesamt für Kommunikation zeigte auf, wie es um die Digitalisierung in der Schweiz steht. Die Bereiche Nahrungsmittel und Getränke werden im Unterschied zu elektronischen Geräten oder Reisen noch seltener online eingekauft, doch sei es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Trend auch in der Getränkebranche Realität werde. Der Bund wolle dafür sorgen, dass die Unternehmen genügend Raum hätten, um ihre Ideen und Strategien umzusetzen. Brenner ist sich bewusst, dass diese digitale Transformation der Wirtschaft Anpassungsfähigkeit verlangt – auch von staatlichen Stellen. Der Bund hat dazu eine Strategie verabschiedet und begleitet die Umsetzung mit einer Arbeitsgruppe. Die vier Kernziele des Bundes sind: Innovation und Wohlstand, Chancengleichheit und Partizipation, Transparenz und Sicherheit und nachhaltige Entwicklung.

Plattformen als zukünftige Monopole

Der frühere CEO von Brack.ch, Malte Polzin, wies darauf hin, dass der Onlinehandel zu einem ganz neuen Kaufverhalten geführt hat. Während früher ein Kunde zuerst den Anbieter auslas, informiert er sich heute zuerst online, welche Produkte es gibt. Dann kauft er das Produkt seiner Wahl bei dem Anbieter, bei dem er es am Einfachsten bekommt. Service und Logistik bleiben deshalb wichtig, oder werden gar noch wichtiger. International ist zu beobachten, dass sich einzelne Plattformen durchsetzen und den Markt monopolisieren. Ein weiterer Trend ist, dass immer mehr Leute von ihrem Handy und nicht mehr von einem Computer oder Laptop aus einkaufen. In der Schweiz sind es bereits knapp 40 Prozent.

Bestellen per Knopfdruck

In Zukunft werden wir direkt Dinge bestellen, indem wir auf einen Bestellknopf drücken oder einem Bestellmikrophon sagen, es solle für uns Mineralwasser kommen lassen. Der Wandel ist radikal. Es wird grosse Plattformen geben, welche die Schnittstelle der Hersteller zu den Kunden bilden werden. Gleichzeitig wird es aber auch weiterhin den direkten Vertrieb geben, wenn er etwas Besonderes bietet, beispielsweise selbst zum Erlebnis wird.

Das Fazit der Veranstaltung zog VSG/ASDB Zentralpräsident Nationalrat Alois Gmür: Die Herausforderungen sind gross. Der Getränkehandel ist leicht verzögert mit der Digitalisierung konfrontiert, muss sich nun aber unbedingt damit auseinandersetzen, wie er in Zukunft zu seinen Kunden kommt.

Dominik Feusi

Die Präsentationen der Referenten finden Sie > hier zum Download (Login erforderlich).